
Kurztext: Demokraten aller Couleur können (Neo-)Faschisten nicht wirklich kritisieren, lautet Freerk Huiskens provokantes Fazit.
Verfassungsschutz, Bundeszentrale für politische Bildung, viele der Volksparteien, aber auch Gewerkschaften und einige Antifa-Bündnisse stellen bei ihrem Kampf gegen Neonazis deren Kleidung vor, decodieren Zahlencodes und benennen rechtsextreme Musiklabels. Es wird enttarnt, was sie offen zeigen, wenn sie sich präsentieren. Diese Art der »Auseinandersetzung« lebt von der Vorstellung, Jugendliche würden sich abwenden, wenn sie nur erkennen könnten, wie Neonazis sich kleiden und welche Mucke sie hören.
Weit gefehlt, denn diese sind vor allem enttäuschte Nationalisten, die die Verschwendung nationaler Ressourcen durch undeutsche Unternehmenspolitik anprangern, am globalen Kapitalismus gerade nicht den weltweiten Siegeszug eines Ausbeutungssystems kritisieren, sondern beklagen, dass sich gute deutsche Unternehmen in internationale Konzerne verwandeln.
Damit kommen gute Demokraten in Schwierigkeiten, entdecken sie doch bei der unerwünschten Konkurrenz Einvernehmen mit dem eigenen höchsten politischen Ziel: Dem Erfolg der Nation, um Deutschland ökonomisch und politisch voran zu bringen. Und so verkommen Verbotsdebatten, Enttarnungen und Steckbriefe sowie die Warnung, dass der Schoss noch fruchtbar sei, zu einer Ehrenrettung von Nationalbewusstsein – zum Segen des demokratisch regierten Kapitalismus. Daran sollte man sich wirklich nicht beteiligen.
232 Seiten | Januar 2012
EUR 14.80
ISBN 978-3-89965-484-4

Ort: Universität Erfurt, Lehrgebäude 2, Raum 155
Zeit: 20.12.2011 (Dienstag), 18.00 Uhr
Ort: Umweltbibliothek Jena, Schillergäßchen 5
Zeit: 21.12.2011 (Mittwoch), 18.30 Uhr
Die Hochschulgruppe „Politische Bildung“
lädt zur Diskussion ein:
Noten und der Zweck der Schule
Schulnoten stehen seit Jahrzehnten in der Kritik von Pädagogen, Eltern und Schülern. Dennoch bestehen die verantwortlichen Bildungspolitiker weiterhin auf ihre Notwendigkeit. In der Diskussionsveranstaltung wollen wir herausstellen, für welchen schädlichen Zweck Noten so unverzichtbar sind und was also Schülern wie Lehrern den Alltag schwer macht.
Zur Vorbereitung empfehlen wir folgenden Text: Rezension : S.Czerny
Tag für Tag kommen mehr Details über den Umgang des Thüringer Verfassungsschutz mit dem aufgeflogenen nationalsozialistischen Untergrund ans Tageslicht.
Dabei ist der aktuelle Skandal keineswegs die erste Peinlichkeit, mit der die Thüringer Schlapphüte Fuore machen. Man kann vielmehr sagen , dass die gesamte Geschichte des Dienstes eine Aneinanderreihung von Skandalen ist.
Wir erinnern an diesem Ort an die gröbsten Schitzer des Landesamtes und beginnen mit dem „Monat im Amt“.
Der „Monat im Amt“ war so etwas wie das Blog des früheren Chefs des Landesamtes Helmut Roewer. Hier hat der für seine „exzentrische“ Amtsführung berühmte Beamte freimütig seine Weltsicht dargelegt. Es ging um Zoff im Kollegenkreis, die seiner Meinung nach unfähige Landesregierung oder seine Probleme beim Bedienen des neuen Mobiltelefons — eben den Kram, der auf privaten Blogs (oder auf Twitter) die Welt bewegt. Da es in den 1990er noch keine Blogs gab, hat Roewer sein Tagebuch im „Nachrichtendienst“ veröffentlicht, einer monatlichen Publikation des Thüringer Verfassungsschutz, die an einen ausgewählten Kreis von Menschen aus Politik, Verwaltung und Medien versandt wurde.
Viel Spaß also mit einem kleinen Einblick in die skurrile Welt des Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz.
In den leitenden Etagen der Republik ist man offenbar der Meinung, dass die Mordserie der NSU im Lichte der neuen Erkenntnisse wirklich so aussieht, als könnte oder wollte der Rechtsnachfolger des Dritten Reiches den „braunen Terror“ nicht so recht bekämpfen. Gegen diesen Eindruck ruft die Kanzlerin ein „Schande für Deutschland“ aus und der Bundestag macht eine gemeinsame Entschließung als unübersehbares Signal an die Welt. Diese öffentlich zelebrierte Kombination aus Zerknirschung und Türkensolidariät ist ein schlechter Witz: die Regierung selbst brach erst neulich eine neue Integrationsdebatte vom Zaun und warnt vor „Parallelgesellschaften“ und „Multikulti“. Noch vor einem Jahr fand ein Sarrazin großen Zuspruch bei den Deutschen mit seiner Warnung vor dem „drohenden Untergang Deutschlands“ durch schmarotzende Ausländer.
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